There's so much world

«Auf dem Fahrrad lernst du die Konturen eines Landes am besten kennen, denn du musst dich die Hügel hinaufschwingen und sie hinunterrollen. So erinnerst du dich an sie, wie sie wirklich sind, 

während dich in einem Automobil höchstens mal ein hoher Berg beeindruckt, und da bekommst du auch keinen so nachhaltigen Eindruck von dem Land, durch das du gefahren bist, wie du ihn bekommst, wenn du mit dem Fahrrad fährst»

(Ernest Hemingway)

Armenien

Barev! 


Die letzten drei Wochen haben wir Armenien von Süd nach Nord gequert. Armenien ist ein kleines Land (etwa so gross wie Belgien) im Südkaukasus. Im jungen Staat (Unabhängigkeit 1991 nach Zerfall der Sowjetunion) wohnen heute gerade mal drei Millionen Menschen, während rund sieben Millionen Armenierinnen und Armenier in der weltweiten Diaspora leben. Spezielle Vorstellung, dass sich noch doppelt so viele Schweizer auf der ganzen Welt verstreut befinden würden...


Der erste Eindruck von Armenien war bergig. In den ersten Tagen haben wir zahlreiche Pässe überwunden, wobei uns ein iranischer Lastwagenfahrer netterweise auf den 2500 Meter hohen Meghripass hinaufchauffiert hat. Den Rest haben wir mit viel Schweiss selbst gemeistert und wurden mit rasanten Abfahrten und hammer Aussichten über die grünen Täler belohnt. Hier sind wir definitiv wieder im Frühling angekommen und die knallbunten Magerwiesen haben uns teilweise fast geblendet. Was von weitem aussah wie ein Schneefeld entpuppte sich beim Näherkommen als eine Wiese voller „Margeritli“ :). Auf den höchsten Hügeln und in den entlegensten Tälern thronen tausend Jahre alter Klöster, die es uns mit ihren schlichten Innern angetan haben. Ein starker Kontrast zu den farbigen und aufwändig verzierten Moscheen des Irans. 


Eindrücklich waren auch die kolossalen Bauten aus der Sowjetzeit: grosse, graue Wohnblöcke mit einem herben Charme und viele Begegnungsräumen (einzige Farbtupfer waren die zahlreich gespannten und gut behängten Wäscheleinen), stillgelegten Fabriken und heroischen Denkmäler. 


Über Goris sind wir in die Weinbauregion Areni gefahren. Dort wird der Wein der gleichnamigen Traube in jedem Garten angepflanzt und mit mässiger Qualität in zwei und fünf Liter Petflaschen auf der Strasse angeboten. Nebst diesen rudimentären „Weinhäusern“ haben wir auch ein, zwei Weinboutiquen besucht, die richtig gute Tropfen produzieren. In dieser Region hat man auch erst 2007 einen Fund gemacht, der darauf hinweist, dass hier bereits vor über 6000 Jahren (!) Traubensaft vergoren wurde. Diese Entdeckung macht Armenien zum ältesten bekannten Weinland. Die alten, klapprigen Ladas waren oft ziemlich flott unterwegs (ob mit oder ohne Wein im Tank bleibt offen), aber trotzdem fühlten wir uns um einiges sicherer als im Iran. 


Danach ging es weiter in Richtung Yerevan, die Hauptstadt Armeniens. Auf dem Weg sind wir nochmals Andreas begegnet. Die letzten zwei Tage sind wir zu dritt, maulbeerenstibitzend am Fusse des 5000+ Meter hohen, schneebedeckten Ararats in die Stadt geradelt. Der Ararat ist ein heiliger Berg für die Armenier. Zu ihrem Bedauern befindet sich der ruhende Vulkan auf türkischem Boden. 


Yerevan war seit Kapstadt (sieben Monate) die erste grosse Stadt mit viel (alternativer) Kunst und Kultur, alter Architektur, netten Cafés, Pärken und gutem Craftbeer. Wir haben es genossen! Ausserdem gibt es noch ein sehr gutes, aber auch schockierendes und bedrückendes Museum über den Genozid an den Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Unfassbar dieses Leid und was Menschen einander antun können. Auch krass, dass nur ein paar wenige Länder diesen Genozid anerkennen, obwohl die Beweislage erdrückend ist. So schwer die Vergangenheit noch auf Armenien lastet, so erfreulich war es zu spüren, dass seit der „Revolution“ letzten Jahres grosse Zuversicht und Aufbruchstimmung im Land herrscht und der neue Regierungschef Nikol Paschinjan der korrupten Elite des Landes ein Ende zu setzten scheint. Eine willkommene Abwechslung zu den vielen berechtigten Klagen die wir über die Regime in den afrikanischen Ländern und im Iran gehört haben.


Nach drei Tagen in Yerevan sind wir wieder in die Pedalen getreten, nur um schon kurze Zeit darauf auf einem von Holländern geführten Luxuscamping mit Pool und schöner Küche zu stranden. Drei weitere Tage „dolcefarniente“, dann fühlten wir uns definitiv ausgeruht genug um den Anstieg zum grossen Sevansee in Angriff zu nehmen. Nebst einem schön auf einer Halbinsel gelegenen Kloster, ist da auch die armenische Riviera mit Jetskis und dickbäuchigen armenischen Männern (allgemein gehören die Armenier in ihren Trainern unserer Meinung nach nicht zu den bestaussehendsten Menschen, sorry).


Gegessen haben wir in ganz Armenien sehr gut. Ein Highlight waren die feinen Forellen und gedämpften Flusskrebse rund um den Sevansee. Aber auch Lahmajun (hauchdünne, armenische Hackfleischpizza), Shashlik (gegrillte Fleischspiesse) und die frischen Salate mit Dill haben uns gemundet. 


Die letzten Tage haben wir wandernd im Dilijan Nationalpark und radelnd im Debedtal verbracht. Es waren drei intensive und tolle Wochen in diesem kleinen, vielseitigen Land. Armenien hat kulturell und landschaftlich viel zu bieten und auch die Menschen sind nett, aber eher zurückhaltend. In vielen anderen Ländern waren wir den Menschen um einiges näher gekommen. Dies hat nebst der armenischen Mentalität auch mit einer grossen Sprachbarriere und einer grösseren Zurückhaltung unsererseits zu tun. Wir waren es aus Afrika und insbesondere dem Iran noch gewohnt, dass viele Menschen proaktiv auf uns zukommen.


Nächster Stopp ist Georgien, wir sind gespannt und freuen uns auf Besuch aus der Schweiz. Liebe Grüsse und auf bald!

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Iran Teil 4

Hallo nochmals


Eigentlich war der Iran aus Blog-Perspektive bereits abgeschlossen. Wir hatten nur noch rund 170 Kilometer von Tabriz bis zur armenischen Grenze vor uns. Aber in diesen zwei Tagen haben wir eine derart schöne Etappe gemacht, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Daher eine kurze, bildbetonte Ergänzung :).


Als wir aus der Stadt fuhren, erhielten wir eine super Aussicht über die Grossstadt Tabriz. Bald darauf haben wir mitten in der Pampa Andreas, ein Tourenradler aus der Schweiz, der von Teheran nach Hause fährt, getroffen. Nach mehreren Wochen, in denen wir keinen anderen Touristen begegnet sind, eine unwahrscheinliche aber freudige Bekanntschaft. Gemeinsam ging es durch farbige Berge und karge Ebenen, über grüne Hügel und andere Hindernisse gegen Armenien zu. Dank Andreas gibt es zur Abwechslung auch mal Bilder von uns auf den Rädern.


Es waren unvergessliche sieben Wochen im Iran und wir werden bestimmt eines Tages zu diesem vielseitigen Land mit seinen unendlich gastfreundlichen Bewohnern zurückkehren! Cheli Mamnoun.

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Iran Teil 3

Hallo zusammen


Mit dem Nachtbus sind wir von Isfahan in den Nordwesten nach Kermanschah gereist, voller Vorfreude wieder in die Pedalen zu treten. Von Kermanschah fuhren wir bei deutlich kühlerem und angenehmerem Klima durch grüne Felder und näherten uns den schneebedeckten Gipfeln Kurdistans. Kurdistan ist eine Provinz Irans; die Kurden sind eine der grössten Volksgruppen der Welt ohne eigenen Staat (sie leben verstreut im Iran, Irak, Syrien und der Türkei). Wir haben die Kurden in den nächsten Wochen als sehr traditionsbewusste, stolze, herzliche, lebensfrohe und gastfreundliche Menschen erlebt. Sie sprechen ihre eigene Sprache, Kurdi, von dem wir schnell die wichtigsten Worte aufgeschnappt haben: Neben „Hallo“, „vielen Dank“, „Wassermelone“ auch ganz wichtig: „ich platze und mag wirklich nichts mehr essen“ („Bra Rottachim“). Auch tragen sie ihre eigene Kleidung, die wir natürlich auch anprobiert haben. Insbesondere der kurdische Herrenanzug mit baggy Pants („Pantol“) und schicken Nadelstreifen hat es uns angetan. Es war schön zu sehen, dass auch junge Männer diese Tradition sehr stilbewusst aufrecht erhalten.


Wenn wir nicht in unserem geliebten Zelt übernachtet haben, haben wir gerne eines der zahlreichen Angebote zu Dusche, Abendessen, netter Gesellschaft und Teppichlager angenommen. So haben wir in den vergangenen drei Wochen zahlreiche Familien (denn man zieht bei seiner Familie erst aus, wenn man eine Neue gründet, so ist man praktisch immer bei einer Familie zu Hause) aus unterschiedlichsten Gegenden und Schichten kennengelernt: Wir haben in einfachsten Bauerndörfern in der Moschee geschlafen, haben mit Englischlehrern diskutiert und Tischfussball gespielt, mit Teenagern Wasserpfeife geblubbert und bei sehr wohlhabenden Ärztefamilien in schicken Wohnzimmern (die so gross sind wie unsere ganze Wohnung an der Arbenzstrasse) die Perserkatze gestreichelt. Diese Begegnungen waren sehr unterschiedlich und bereichernd und nur dank unserer langsamen, zeitoffenen und exponierten Reiseart überhaupt möglich. Nie haben wir am Morgen gewusst, wo wir am Abend übernachten werden, aber es kam immer gut. Denn wenn etwas alle Iraner eint, dann ist es ihre Offenheit, ihre Neugierde, ihre Spontanität und ihre Gastfreundschaft. Aber zwischendurch haben wir auch die Ruhe und Zweisamkeit im Zelt gesucht, denn die Radeltage waren oft kräftezehrend.


Auf unserem Weg in den Norden sind wir durch die engen Täler des Zagros-Gebirges gestrampelt, gefühlt meistens aufwärts. Ein Höhepunkt, sowohl in Bezug auf Landschaft und Natur, aber auch in Bezug auf Anstrengung, war das Howraman Tal. Entlang von Stauseen und an das Gebirge geklatsche Dörfern sind wir über Bergstrassen auf- und ab- und wieder aufgestiegen. Berge und Pässe scheinen uns anzuziehen... Belohnt wurden wir mit verkehrsarmen Strassen, wunderschönen Aussichten, Glücksgefühlen auf den Gipfeln und unerwarteten Bekanntschaften: Einmal wurden wir von einer grossen Männergruppe aus Teheran regelrecht überfallen. Nachdem sie über einige Meter versucht haben, unsere Räder hochzuschieben und das als zu ermüdend wahrgenommen haben, veranstalteten sie kurzerhand ein kleines Musik- und Tanzfest. Wir haben unseren Augen und Ohren kaum getraut, mitten in der Pampa. Nachdem wir alle unsere Tanzbeine geschwungen haben, gab es gefühlte tausend Selfies und eine grosse Wassermelone für alle. Ein richtiger Aufsteller am Steilhang. So schnell sie gekommen waren, so schnell waren sie auch wieder weg. Ein unwirklicher Tagtraum.


Am anstrengendsten Tag konnten wir das nette Angebot eines Lastwagenfahrers zur Mitfahrt nicht ablehnen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 1800 Höhenmeter bewältigt und standen vor einer Haarnadelkurvensteilwand, die nochmals 1200 Höhenmeter bedeutet hätte. Die kurvenreiche Fahrt nach oben haben wir ebenso genossen wie der kleine Sohn des Fahrers, den es hinter der Windschutzscheibe hin- und her geworfen hat. Die Enttäuschung war gross, als wir am höchsten Punkt dankend ausgestiegen sind und die Einladung zum Abendessen ausschlagen mussten. Aber diese Abfahrt wollten wir uns nicht nehmen lassen. Mit Blick auf die Gipfel, welche den Iran vom Irak trennen, sind wir ins nächste Tal gebraust.


Nach einem mehrtätigen Stopp in Marivan sind wir in Richtung Saqqez weiter gefahren, haben  Papa Moll getroffen, eine Wassergrotte besucht und beobachtet, wie die Iraner ihre Autos im Fluss waschen. Energie für diese vielen Kilometer haben wir unter anderem aus den unglaublich leckeren Früchten, die es überall am Strassenrand zu kaufen gibt, geschöpft. Gurken zählen hier übrigens auch als Frucht und werden gerne mit Orangen und Datteln zusammen als Dessert aufgetischt – gewöhnungsbedürftig. Auch Kalaneh gab es öfters: Eine sehr leckere und frisch zubereitete, kurdische Brot-Frühlingszwiebel Spezialität.


Der heftige Regenfall von vor ein paar Wochen hat der Natur gut getan: Die Hänge waren saftig grün und die Obstbäume in voller Blüte. Und auch der Urmia-Salzsee, an dem wir mehrere hundert Kilometer entlang gefahren sind, hatte so viel Wasser wie schon lange nicht mehr. Zurzeit sind wir in Tabriz, einer der grössten (und chaotischsten) Städte des Irans. Der Verkehr ist richtig übel, der alte Bazar dafür umso hübscher. Auch das in den Stein gebaute Höhlendorf Kandovan ist ein Besuch wert, insbesondere in der Ramadanzeit, da es kaum Touristen hat. Seit dem 6. Mai ist hier Ramadan angesagt / vom Regime verordnet. Es fasten jedoch weniger Menschen als wir angenommen haben und Reisende sind sowieso ausgenommen. So haben wir auf der Strasse immer problemlos etwas zu Essen und Trinken gefunden. In den Städten merkt man die Ramadanzeit am stärksten: Hier sind alle Restaurants und Cafés geschlossen. Dafür herrscht nach Sonnenuntergang Ausnahmezustand.


Wir machen uns nun auf in Richtung Armenien. Viel wissen wir noch nicht von diesem Land, aber laut maps.me, unserem Navigationsapp, wird es wieder heftig hügelig. Auf bald.

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Iran Teil 2

Welcome to Iran, Mamas! :)


Mitten in der Nacht haben wir unsere Mütter am Flughafen von Isfahan abgeholt. Zu viert haben wir geplant in zweieinhalb Wochen entlang der „klassischen Route“ des Irans zu reisen und dabei die Perlenstädte Isfahan, Shiraz, Yazd und Kashan zu besuchen. 


Das Herz von Isfahan ist der neun Hektar grosse „Naqsch-e Dschahan“-Platz (deutsch: „Abbild der Welt“), im 16. Jahrhundert von Abbas I. erbaut. Der Platz sagt einiges über die Präferenzen von Abbas aus: Von seiner riesigen Palastterrasse hatte er sowohl den Bazar als auch zwei grosse Moscheen im Blick und so die Kontrolle über die geistliche und weltliche Welt. Falls ihn das zu sehr langweilte wurden auf dem Platz Polospiele ausgetragen. Der Naqsch-e Dschahan ist ein wahres Schmuckstück sowie ein belebter Begegnungs- und Picknicksort bei den Einheimischen. Spätestens in Isfahan haben es uns die Architektur sowie die feine Handwerkskunst der Perser angetan. Die riesigen, fein verzierten Kuppeln sind eine Augenweide und haben uns immer wieder verzaubert. Wir haben versucht, uns bei der Fotoauswahl auf ein paar Wenige zu beschränken :). Auch eine armenische Kirche mit ziemlich unterhaltsamen Wandbildern gibt es in Isfahan zu bestaunen. Zuletzt haben wir noch einen abenteurlichen Ausflug in die nahegelegene Wüste gemacht, mit einem Guide, der seinen 4x4 nur halbwegs im Griff hatte...


Von Isfahan aus ging es über alte Königsgräber (Pasargad und „Necropolis“) und Persepolis (sehr sehr sehenswert, unglaublich gut erhalten und spannender historischer Hintergrund, siehe Wikipedia ;)) nach Shiraz. Shiraz ist eine urbanere und modernere Stadt als Isfahan (gut auch daran zu erkennen, wie weit hinten die Frauen ihr Kopftuch tragen), hat aber ebenso schöne Moscheen und einen noch schöneren Bazar. Auch drei grosse persische Dichter haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Am Grab von Hafez durften wir eine schöne und zugleich traurige Situation miterleben, die vieles über den Iran in der aktuellen Zeit erzählt: Eine grosser Gruppe von Universitätsangestellten aus dem ganzen Iran sind zu ihrer jährlichen Zusammkunft um den Grabstein gestanden und haben gemeinsam Gedichte rezitiert und Lieder gesungen. Es war eine sehr fröhliche, friedliche und schöne Stimmung. Plötzlich kam ein Wächter und verbot den Singenden weiterzumachen. Im Nu und sehr friedlich (nicht aber ohne grosses Kopfschütteln von allen Versammelten, inklusive uns) löste sich die Gruppe auf und die festliche Atmosphäre war weg. Das Regime agiert oft als Spassbremse und die friedlichen IranerInnen scheinen sich damit abgefunden zu haben oder scheuen zumindest den Konflikt. Gerade vor dem Hintergrund der aktuell verschärften Sanktionen seitens der USA (die jährige Übergangsfrist, die es gewissen Ländern noch emöglichte, iranisches Erdöl zu beziehen, ist diese Tage abgelaufen) und der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage im Iran, ist diese Unzufriedenheit mit dem Regime noch deutlicher geworden. Wir hoffen, dass der von so vielen IranerInnen gewünschte Wandel zu einem  liberalen, demokratischen System friedlich verlaufen wird und der wirtschaftliche Aufschwung bald kommt. Sie hätten es sowas von verdient.


Zum Abschluss in Shiraz haben wir noch einen Abstecher zum Maharloo See, dem „pink lake“ gemacht. Der See ist extrem salzig: Es schwimmen grosse Kristalle auf der Oberfläche, bestes „Fleur du Sel“, das man nur einsammeln müsste (wäre da nicht die schlechte Wasserqualität). Und er ist extrem pink, ein unglaubliches Farbspektakel.


Mit dem Nachtbus haben wir die klassische Route für ein paar Tage verlassen und sind auf die Wüsteninsel „Qeshm“, ganz im Süden im persischen Golf. Die Insel ist trocken, heiss, salzig und sehr schön. Auf der Insel befinden sich nicht nur schöne Mangroven Wälder und Lagunen, sondern auch ein riesiger „Geopark“ (Unesco Weltkulturerbe) mit ausserirdisch wirkenden Gesteinsformationen. Ein weiteres Highlight ist „Namakdan“, eine Salzhöhle am südwestlichen Ende der Insel. Wenn jemand von euch jemals dahin geht: Unbedingt Ersatzkleider und eine gute Lampe mitnehmen und Platzangst zuhause lassen. Denn am Ende der Höhle kann (lese: „muss“) man sich für ca. 3-4 Meter durch einen knappen Spalt zwängen, um in die letzte Grotte zu gelangen. Es eröffnet sich ein grosser, hoher Raum mit einem Berg voller Salzkristalle und ein Farbfeuerwerk von gelb, pink, grün, violett und braun. Mit dem Fotoapparat nur bedingt einzufangen. 


Gewohnt haben wir diese Tage bei der sehr gastfreundlichen Familie von Nouredin. Wie in Malawi haben wir auch hier wieder Spannendes über die Heiratskultur vor Ort erfahren: Nouredin hat mit zwanzig seine Frau geheiratet, als diese gerade mal vierzehneinhalb Jahre alt war (legal ist’s ab neun). Das Hochzeitsfest (inkl. Kamelrennen etc.) dauerte sieben Tage (geschlechtergetrennt) und geladen waren 3’500 Gäste. Bezahlt hat der ganze Spass die Tante, die in Dubai wohnt.


Nach Queshm ging‘s mit dem Nachtzug nach Yazd. Die zehnstündige Fahrt war dank der schönen Landschaft und den vielen Jasspartien kurzweilig. Yazd ist eine spannende und sehr alte Wüstenstadt, praktisch komplett aus Lehm gebaut. Mit raffinierten Unterwasserkanälen, geschickter Architektur und den ersten Klimaanlagen der Menschheitsgeschichte (schmucke Windtürme, welche die Luftzüge einfangen und mit Wasser im Innern die Wohnräume kühlen) haben bereits die frühen BewohnerInnen von Yazd gewusst, wie sie trotz Temperaturen von 50 Grad im Sommer ihr Leben erträglich gestalten können. Ausserdem haben sie in sogenannten „Pigeon Towers“ tausende Tauben „kultiviert“ und deren fruchtbaren Kot als Dünger für ihre Wassermelonenfelder genutzt. Wirklich sehr gewieft (und die Türme im gereinigten Zustand nett anzusehen). Auf den vielen Dachterrassen haben wir süsse Melonen- und Granatapfelsäfte geschlürft und uns über die vergangenen Monate ausgetauscht.


Über Kashan und das rote Bergdorf Abyaneh ging’s zurück nach Isfahan, wo wir einen letzten schönen Abend auf unserem Lieblingsplatz verbracht haben. Während wir ohne Probleme unsere Visa verlängern konnten und noch einen Monat in diesem tollen Land verbringen können, waren die zweieinhalb Wochen für unsere Mamas bereits um und sie sind mit guten Erinnerungen und Taschen voller süsser Datteln, feinem Kunsthandwerk, einem (kleinen) Teppich, schönen Tüchern sowie einigen wenigen Souvenirs von uns zurück in die Schweiz gereist. Vielen, vielen Dank für euren Besuch, wir haben es sehr genossen mit euch!


Nun heisst es wieder ab auf den Sattel und in das gebirgige Kurdistan. Auf bald.

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Iran Teil 1

Salaam!


Mit nur wenigen Flugstunden haben wir eine Zeitreise ins Jahr 1398 gemacht (die Zeitrechnung ist nur eine von vielen Eigenheiten des Irans). Den Iran kennt man im Westen vor allem im Zusammenhang mit Themen wie Atomwaffenprogramm, westlichen Sanktionen, islamischer Staat und Kopftuchpflicht für Frauen. Dank früheren Bekanntschaften und Reiseberichten von Freundinnen und Freunden haben wir aber auch von der immensen Gastfreundschaft der IranerInnen und der reichen, persischen Kultur und Geschichte erfahren. Kurzum wir waren mächtig gespannt auf dieses grosse Land im mittleren Osten. 


Angekommen am Flughafen in Teheran haben wir mit Freude festgestellt, dass unsere selbstgebastelten Fahrradboxen aus Afrika bereits auf uns warten. Schon beim Zusammenbauen der Fahrräder haben wir einen Vorgeschmack auf die Neugierde und Gastfreundschaft der Iraner bekommen. Ständig kamen Leute vorbei und fragten, ob sie uns helfen können, von wo wir kommen und wie Luca heisst (die Konversation im öffentlichen Raum findet grössenteils von Mann zu Mann statt). Beim Geldwechseln (aufgrund der Sanktionen muss man das gesamte Reisebudget in Euros/Dollars mitnehmen, da mit internationalen Karten wie Master oder Visa weder Geld abgehoben, noch bezahlt werden kann) haben wir erfreut festgestellt, dass wir für einen Dollar 130’000 Rial erhalten. Der offizielle Kurs ist rund 1:40’000. Der Rial hat innerhalb eines Jahres aufgrund der neuen Sanktionen durch die Trump-Regierung heftig an Wert verloren – sehr tragisch für die Iraner, Glück für uns als Reisende. 


Kurz nach Sonnenaufgang haben wir die ersten Kilometer auf dem neuen Kontinent zurückgelegt und dabei das angenehm kühle und trockene Klima geschätzt und die schneebedeckten Berge bewundert. Es hat sich angefühlt, als wären wir auf einen neuen Planeten katapultiert worden. Kein Wunder, wenn man nach fünf Monaten mit durchschnittlichem Tempo von ca. 15 km/h, plötzlich innert wenigen Stunden mehrere tausend Kilometer zurückzulegt. Auch die für uns nicht lesbaren Schriftzeichen und Ziffern haben zu diesem Gefühl beigetragen. Ein weiterer, harter Kontrast war der heavy Verkehr. Der Iran ist stark motorisiert (Autofahren ist erschwinglich dank Eigenproduktionsstätten und viel Erdöl, ein Liter Benzin kostet derzeit gerade mal 8 Rappen) und dessen BewohnerInnen sind nicht bekannt für ihr rücksichtsvolles und regelnbefolgendes Fahrverhalten: auf der Autobahn rückwärts zu fahren, um die Ausfahrt doch noch zu erwischen, rechts zu überholen und nicht ein einziges Mal zu blinken – alles völlig normal hier. Der vorauseilende Ruf des „dynamischen“ Verkehrs war mitunter ein Grund, Teheran links liegen zu lassen und gleich südwärts zu fahren. 


Unser erster Warmshower-Host Hosein und seine Familie haben uns mit einem typisch iranischen Frühstück (Fladenbrot, Frischkäse, Spiegelei und Schwarztee mit gaanz viel Zucker in allen Farben und Formen) in seinem Strassenimbiss herzlich empfangen. Hier haben wir zum ersten Mal erlebt, was uns in den nächsten Tagen noch so oft wiederfahren wird: eine unglaubliche, bedingungslose Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Oft interagieren wir ohne oder nur mit wenigen Worten, da das Englischniveau meist sehr bescheiden und unser Farsi noch sehr beschränkt ist. Mit ihrer offenen und fröhlichen Art gelingt es den Iranern im Nu, eine lockere und persönliche Atmosphäre zu schaffen. Auf diese Weise erhalten wir einen tiefen Einblick in den iranischen Alltag, der sich zu einem grossen Teil im privaten Raum abspielt. 


Nach diesem wunderbaren Auftakt haben wir uns durch die karge Wüstenlandschaft nach Ghom aufgemacht. Auf dem Weg werden wir immer wieder zu Tee oder Wassermelonen eingeladen oder aus dem fahrenden Auto ausgefragt und/oder mit „Welcome to Iran“ begrüsst. Im Vergleich zu Afrika ist der Iran relativ dünn besiedelt und so zelten wir oft wenige hundert Meter von der Hauptstrasse entfernt. Allgemein ist der Iran ein sehr campingfreundliches Land, so dass sogar das Zelten in vielen öffentlichen Pärken erlaubt ist. In Ghom, der Mullah-Hochburg des Irans, erleben wir ein weiteres sehr charakteristisches Beispiel iranischer Gastfreundschaft: Am Stadtrand machen wir einen Stopp und schreiben Javad über das Portal Couchsurfing an und fragen ihn, ob er sehr spontan Zeit hat uns für eine Nacht zu beherbergen. Wenige Minuten später ruft er uns an, um mitzuteilen, dass er heute Abend mit seinem Kollegen Saed in den Irak reist, wir aber in dessen Wohnung bleiben können solange wir wollen und er einen weiteren Kollegen, MJ, organisiert, der uns liebend gerne seine Heimatstadt zeigen möchte. Eine Stunde später sitzen wir mit den Dreien bei Chai und feinsten Datteln im hochpolierten Wohnzimmer. So sind die Iraner!


Nur indem wir vehement darauf beharren, werden wir am nächsten Morgen nach einem tollen Abend entlassen. Bis spätnachts waren wir mit MJ unterwegs, haben den Blumenladen von seinem Kollegen gehütet, wurden seinen Freunden in einer modernen Mall „gezeigt“ und haben dabei im Foodcourt zahlreiche Selfies gemacht (Selfies und Instagram sind ohnehin ganz gross hier), haben den heiligen Schrein besucht (Hannah zwangsweise mit Tschador) und sind mit Kebab, Safraneis und Malzbier (ohne Alkohol, dieser ist hier leider strengstens verboten) im Bauch durch die Stadt gerast.


Auf dem Weg von Ghom nach Kashan gab es nicht viel, ausser schöne Felsformationen, weitreichende Ebenen und ab und zu eine Verpflegungsmöglichkeit, z.B. eine Metzgerei, wo Hannah ihr Spiegelei gleich selbst zubereiten musste. Kashan ist eine alte Kaufmannsstadt mit einem wunderschönen, alten Bazar und riesigen, prunk- aber geschmackvollen Herrschaftshäusern von wohlhabenden Teppichhändlern. Man kann sich die Blütezeit des Handels auf der Seidenstrasse förmlich vorstellen. Gewohnt haben wir in Kashan bei einer netten Familie, die uns mit leckerem Essen verwöhnt hatte (Auberginenmousse, frische Kräuter und zum Frühstück hausgemachte Karottenkonfitüre). Gegessen wird traditionellerweise auf dem Teppich am Boden (geschlafen übrigens auch).


Die 220 Kilometer von Kashan nach Isfahan wollten wir in drei gemütlichen Tagen zurücklegen. Am zweiten Tag hat uns ein so noch nie erlebter Gegenwindorkansturmsauhund das Leben so schwer gemacht, dass wir nach dreissig unglaublich anstrengenden Kilometern das Angebot zum Chai eines besonders hartnäckigen und liebenswürdigen Mannes nicht mehr ablehnten. Bei ihm zu Hause wurden wir verköstigt und konnten uns sogar kurz hinlegen. Das Angebot, die Nacht zu bleiben mussten wir jedoch ablehnen, da wir noch eine grosse Strecke vor uns hatten. Aber kaum waren wir wieder auf der Strasse war unser Wille bald gebrochen und wir haben den ersten Laster angehalten. Hosein (ja, auch Hosein), ein studierter Geograf und heute langjähriger Transporteur von Milchprodukten hat uns ohne zu zögern auf- und natürlich auch gleich für die Nacht zu sich nach Hause eingeladen. Zum grossen Anlass kam die ganze Familie und die halbe Nachbarschaft vorbei und dank Google Translate konnten wir uns unsere gegenseitigen Fragen stellen und beantworten (wie z.B. „was ist eure Religion?“, „was haltet ihr vom Iran?“, „was arbeitet ihr?“ etc.). Trotz unserer sichtbaren Müdigkeit harrten wir aus, bis auch die letzte Tochter zum Selfie vorbeigekommen ist und fielen danach todmüde auf unseren Teppich. Der Rythmus ist allgemein ein ganz Anderer als in Afrika: Während in Afrika mit dem Sonnenuntergang auch der Tag zu Ende ging, fängt das Leben auf der Strasse und in den eigenen vier Wänden im Iran am Abend erst richtig an. Gegessen wird meist erst gegen 10, 11 Uhr, auch unter der Woche.


Die ersten Tage im Iran waren von unfassbarer Gastfreundschaft geprägt. In den nächsten zweieinhalb Wochen werden wir noch mehr Herzlichkeit erfahren und mit unseren beiden Müttern (und ohne Räder) eine unvergessliche Rundreise zu den Perlen des Irans machen. Dazu bald mehr.


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Tansania

Mambo! (Hallo auf Suaheli)


Der Grenzübergang nach Tansania verlief problemlos: Gelbfieberimpfausweis, 50 Dollar und 15 Minuten später hatten wir unser Visa für satte drei Monate in diesem grossen und vielfältigen Land. Tansania ist als Tourismusdestination dank bekannten Safari-Nationalparks (Serengeti und Co.), Kilimanjaro und Sansibar schon länger beliebt. Die ersten drei Wochen haben wir von alldem jedoch nichts mitbekommen und sind keinen anderen „Azungus“ begegnet. Durch hügelige, sattgrüne Landschaften, die vor allem von Teefeldern und Bananenplantagen geprägt waren, radelten wir von der malawischen Grenze in Richtung Nordosten. Es war gerade Erntezeit und man war fleissig damit beschäftigt, Bananen an den Mann/Frau oder auf die Lastwagen zu bringen. 


Tansania verfügt über ein gut ausgebautes, asphaltiertes Strassennetz, welches sich allerdings auf grosse Hauptstrassen mit vielen Lastern konzentriert: Aufgrund des grossen Hafens in Dar Es Salaam werden jenste Güter (vor allem Holz, Benzin, Kupfer und Autos) von und zu den Binnenländern Malawi, Kongo und Sambia transportiert. Um die Hauptstrasse zu meiden, entschieden wir uns für einen Umweg über das Herz der Southern Highlands. Wir haben dabei nicht damit gerechnet, dass wir für knapp 250 km fünf schweisstreibende Tage benötigen werden. 


Aber wie so oft haben sich die Zeit und der Schweiss so was von gelohnt. Zuerst ging es nur steil bergauf auf das Kitulo Plateau, wir waren bis auf über 2900 M.ü.M. geklettert. Der Kitulo Nationalpark ist nicht für seine Tiere bekannt, sondern für seine Flora. Weit und breit keine Häuser, dafür grosse Wiesen von pinken Blumen, Disteln und exotischen Orchideen. Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir uns während diesen Tagen selbst versorgen müssen und so haben wir reichlich aufgestockt. Durch diese Extrakilos ging das ewige Auf und Ab noch mehr in die Beine. Und wir wurden überrascht, dass es in den kleinsten Dörfern gutes und günstiges Essen und meist auch ein einfaches Guesthouse hatte. Zum Frühstück gab es Chapati und Chai, danach Reis, Bohnen, spinatähnliches Gemüse und je nachdem „chätschiges“ Lamm, Rind oder Huhn. Manchmal auch getrockneten Fisch. Tansania war unerwarteterweise noch günstiger als Malawi und Mosambik: So haben die einfachen, aber sauberen Hotelzimmer mit kalter Dusche und Plumpsklo pro Nacht durchschnittlich gerade mal 7 CHF gekostet. Einmal sogar nur 2.50 CHF. Ein grosses Mahl mit allem drum und dran kostete ca. 1.50 CHF. Unglaublich günstig und sehr lecker! 


Die Kombination von günstigen Übernachtungsmöglichkeiten und viel Niederschlag haben dazu geführt, dass wir in ganz Tansania nur einmal (wild) gezeltet haben (während wir in Malawi praktisch jede Nacht im Zelt geschlafen haben). Ausser uns waren noch Motorräder, Eseltreiber, Kinder in Schuluniformen, drei bis vier „Japanese“ (Linienbusse) pro Tag und ab und zu ein mit muslimischen oder christlichen Motiven verzierter Lastwagen („Jesus in Action“ :)) unterwegs. 


Wieder zurück auf dem Asphalt ging es über Njombe nach Iringa. Iringa ist immer noch hoch gelegen, hat ein angenehmes Klima und scheint die Hochburg für westliche NGO‘s zu sein. So viele Weisse auf einmal haben wir seit Südafrika nicht mehr gesehen. Dafür haben wir die Vorzüge von gutem italienischem Essen und feinem Kaffee genossen :). Nach Iringa wurde unsere Bergleistung belohnt und wir konnten fast 2000 Höhenmeter runterfräsen (dafür wurde es wieder so richtig, richtig heiss, weshalb wir wieder früher aufstehen und noch mehr Wasser trinken mussten). Durch schöne Baobab-Täler und vorbei an Baboon-Trupps ging es in Richtung Mikumi Nationalpark. Ausserdem haben wir endlich ein einigermassen erkennbares Foto von einem „lilac breasted roller“ schiessen können: Ein absolut paradisiesicher Vogel mit den schönsten Farbtönen, der uns schon seit Südafrika immer wieder begegnet ist, aber ohne anständigem Zoom-Objekiv schwer abzulichten ist.


Der Mikumi Nationalpark ist einer der wenigen Nationalparks Afrikas mit Löwen, Leoparden, Elefanten, Büffeln UND Radfahrern. Die Strasse führt mitten durch den Park und obwohl wir nicht unbedingt in das typische Beuteschema der Grosskatzen passen und die Löwen die befahrenen Strassen meiden (wieso dann die Busse-Tabelle für Roadkills?), haben wir die 50 km durch den Park mit leicht mulmigen Gefühl, wachem Blick und grösstmöglicher Geschwindigkeit hinter uns gebracht. Es war allerdings auch ein sehr toller und kurzweiliger Abschnitt mit vielen Giraffen, Warthogs, Waterbucks, Antilopen, Marabus und Büffeln direkt neben der Strasse.


Zu dieser Zeit haben uns auch die Neuigkeiten vom Zyklon Idai und dessen verheerenden Folgen in Mosambik, Malawi und Simbabwe erreicht. Es war tragisch für uns zu erfahren, dass viele Orte, an denen wir noch vor wenigen Wochen vorbeifuhren, zerstört und viele Menschen obdachlos geworden oder gar gestorben sind. Insbesondere weil wir mit eigenen Augen gesehen haben, wie wenig diese Menschen ohnehin haben und wie verletzlich sie sind.


Die letzten paar hundert Kilometer nach Morogoro und Dar Es Salaam waren wie erwartet geprägt von zunehmendem Verkehr, viel Abgas und wenig Abwechslung. Es war der erste Streckenabschnitt auf unserer Reise, den wir einfach so schnell wie möglich hinter uns bringen wollten. Heil angekommen in Dar haben wir erst mal Luca’s Dreissigsten gefeiert (mit gutem Essen & Trinken, Sonnenuntergang am Meer und AC Zimmer).


Wir haben uns nach längerer Diskussion entschieden, dass Dar Es Salaam der vorläufige Endpunkt unseres Afrikaabenteuers ist (Madagaskar wird ein ander Mal bereist :)). Die Regenzeit ist hier angekommen und im mittleren Osten, unserer nächsten Etappe, wird es ab Juli/August brennend heiss. So haben wir uns darauf eingestellt, für eine längere Zeit in der Hafenstadt zu bleiben, um unsere Iran Visa zu beantragen und die Weiterreise zu organisieren. 


Unser Wunsch war es seit Beginn der Reise, dass wir Afrika per Schiff verlassen können. So haben wir unzählige Cargo-Agenturen und -Unternehmen angerufen und versucht, ein Schiff nach Oman, Dubai oder Iran (schwierig wegen dem Embargo) zu finden. An Frachtschiffen und Öltankern mangelt es vor der Küste Dars nicht, wohl aber an solchen, die Passagiere mit in den mittleren Osten nehmen. Wir gingen sogar beim „Port Chief“ von Maersk persönlich vorbei, nur um zu erfahren, dass es wirklich keine Möglichkeit via Seeweg in den mittleren Osten gibt, zumindest nicht von Dar aus. Die Schiffe gehen zum Grossteil nach Singapur und die Ausreise für Touristen via Schiff ist in Tansania nicht vorgesehen und dementsprechend schwierig bis unmöglich. Ähnlich langwierig gestaltete sich die Beantragung unser Iran Visa. Erst beim zweiten Versuch wurde unser Antrag berücksichtigt und auch das dauerte aufgrund der iranischen Noruz Neujahrsferien fast drei Wochen (die machen einfach dicht zwischen dem 20. März und 5. April...). 


Mit anderen Worten: Wir waren gestrandet. Aber da gleich vor der Küste Dars die Insel Sansibar mit viel Geschichte (Omanisches Sultanat, Gewürze-, Elfenbein- und Sklavenhandel etc.) und – passend – tollen Stränden liegt, war das nur halb so schlimm. Für 10 Tage haben wir unsere Räder auf dem Festland zurückgelassen und sind als Backpacker mit der Fähre (2 stündige Überfahrt) nach Stone Town. Stone Town ist eine richtige Altstadt (die erste in Afrika für uns) mit engen Gässchen, Werkstätten, Moscheen und arabisch-indisch inspirierten Häusern mit schönen Holzbalkonen und kunstvoll geschnitzten Türen. Da wir mitten in der Nebensaison da waren, haben sich auch die Touristenscharen in Grenzen gehalten und viele Hotels und Resorts waren bereits geschlossen.


Mit einem vollgestopften „DallaDalla“ sind wir an die Ostküste nach Paje und Jambiani gefahren, wo wir viel gelesen, die Kiter bestaunt und das türkisblaue, seichwarme Meer genossen haben. Auch ein Ausflug in den Jozani Nationalforest mit seinen endemischen „Red Colubus“  und „Blue Monkeys“ hat dazu gehört. Es hat richtig gut getan, ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen. Aber jetzt, wo wir das Iran Visa in den Händen halten und unseren Flug nach Teheran gebucht haben, können wir es kaum erwarten weiter zu ziehen und endlich wieder in die Pedalen zu treten. Afrika war eine unglaubliche Erfahrung und positive Überraschung für uns, voll von aufgestellten, tollen Menschen und unglaublichen Landschaften. Wir werden bestimmt wieder kommen. Oder wie sie hier in Tansania so schön sagen: „Karibu, welcome again“! - „Asante sana, we’ll come again“!

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Malawi

Bo bo?! (Informelles „Alles klar?“ in Chichewa)


Bei uns ist alles sehr klar und gut :). 


Wir durften einen Monat im extrem vielseitigen, freundlichen und schönen Binnenstaat Malawi verbringen. Malawi ist ein kleines, dicht besiedeltes Land, welches im Vergleich zu seinen Nachbarn seit seiner Unabhängigkeit keinen Krieg erfahren musste. Geprägt ist das Land vom mehrere hundert kilometerlangen Malawisee. Der Süsswassersee ist die wohl wichtigste natürliche Ressource des Landes. Hier wird fleissig gebadet, gewaschen, gefischt, Handelsgut transportiert und Trinkwasser abgeschöpft. 


Aber der Reihe nach. Von Mosambik her kommend war das Land zuerst von grünen, saftigen Hügeln, Radkollegen und Kirchen geprägt: Malawi ist wohl das Veloland Afrikas schlechthin, was uns natürlich sehr gefreut hat; auf einfachen indischen Eingängern werden bis zu vier prallvolle Kohlesäcke, gefesselte Geissböcke oder zahlende Kundschaft transportiert. Ausserdem wird grosszügig für das Seelenheil gesorgt: alle paar hundert Meter wechseln sich die Methodisten, 7-Tage Adventisten, Baptisten, Zionisten, Katholiken und Zeugen Jehowas mit ihren einfachen Glaubenshäusern und sozialen Treffpunkten ab. Die erste Nacht auf malawischen Boden haben wir dann auch gleich bei einer sehr netten Zeugen Jehowas Familie im Garten campiert (den Wachturm mussten wir natürlich entgegennehmen, aber ansonsten wurden wir nicht bekehrt :)).


Nach zwei Tagen haben wir die „Wirtschaftsmetropole des Landes“ Blantyre erreicht. Wie viele afrikanische Städte nichts Besonderes und dem kleinen, wirtschaftsschwachen Malawi entsprechend auch nicht wirklich gross. Wir hatten trotzdem eine kurzweilige Zeit insbesondere auch dank der srilankisch-malawischen Familie, bei der wir über Airbnb wohnten. Ausserdem aufgefallen sind die vielen Expats, die hier für die zahlreichen Hilfswerke und NGOs tätig sind. Allgemein scheint Malawi im Fokus der Entwicklungshilfe (gewesen) zu sein. Wir werden in den nächsten Wochen noch an unzähligen Schildern vorbeifahren, die auf von der EU, US Aid oder World Vision unterstütze Projekte wie z.B. „Farmers Income Diversification“ hinweisen (mitunter eine Folge der Hungersnot von 2001). In Mosambik haben wir nichts Vergleichbares gesehen, obwohl die beiden Länder ähnlich schlecht dran sind.


Von Blantyre haben wir eine dreitägige Wanderung im Mulanje Gebirge unternommen. Mit unserem Guide Lewis (ein Guide ist obligatorisch und angesichts der nicht ausgeschilderten Pfade auch empfehlenswert) sind wir von Hütte zu Hütte gewandert. Die Hütten waren erstaunlich komfortabel mit Cheminée, heissem Badewasser, welches der Hüttenwart auf dem Feuer erhitzt hat, und grosszügigen Veranden. Am zweiten Tag wollten wir auf den mit 3000 Metern höchsten Gipfel Malawis „Sapitwa“ klettern. Leider war am Vormittag so dichter Nebel, dass wir eine lange Pause einlegen mussten und es daher für uns nur noch bis kurz vor dem Gipfel gereicht hat. Aber die Wanderung sowie die Aussicht waren absolut atemberaubend. Zudem haben wir von Lewis viel über Malawi und seinen Heiratsmarkt erfahren: Im Vergleich zum Süden muss der Mann im Norden bis zu vier Kühe pro Frau zahlen, die Kinder gehören bei einer Trennung dafür ihm. Sollte es innerhalb eines Jahres keine Kinder geben, hat der Mann Anspruch auf einen „Ersatz“ aus der Familie (Schwester, Cousine etc.). Sollte kein geeigneter Ersatz verfügbar sein, wird ihm der Kaufpreis zurückerstattet. Umgekehrt muss der Mann innerhalb eines Jahres für ein Haus sorgen, ansonsten kann er vor dem lokalen Stammesgericht verklagt werden. 


Danach ging es über die alte Hauptstadt Zomba nach Liwonde am Shire Fluss. Im Liwonde Nationalpark konnten wir innerhalb des Zauns campieren und haben in der Nacht die grunzenden, grasenden Hippos vor unserem Zelt gehört. Am Folgetag haben wir uns revanchiert und sind in ihr  Gebiet eingeschifft. Lustige Kreaturen, die allerdings nicht unterschätzt werden sollten. Es sterben mehr Menschen durch die launischen Dickbäucher mit den kleinen rosa Ohren, als durch Bullenhaie und Löwen zusammen. Ausserdem haben wir die Gelegenheit genutzt und haben zusätzlich zur Bootstour noch einen exklusiven „Game Drive“ mit einem alten Safarimobil aus den 70ern gemacht tolle Erfahrung! 


Durch Buschpfade, die allesamt velotauglich sind, haben wir uns in Richtung See bewegt. Immer wieder sind wir an riesigen Baobabs vorbeigekommen, die sich vor keinem Redwood verstecken müssen. Die Baobabfrucht allerdings hat nicht Luca’s Gusto entsprochen und auch Hannah hat sie als „bitter, sauer, trocken“ verurteilt. Im Vergleich zu Mosambik, hat die Regenzeit in Malawi ihren Namen verdient. Meist an den Abenden hat es für ein bis zwei Stunden wie aus Kübeln gegossen. Demenstprechend mussten wir auf unseren Räuberwegen auch immer wieder kleinere bis grössere Flüsse queren. 


Was wir an Malawi unglaublich schätzten, sind die sehr freundlichen, neugierigen, über beide Backen strahlenden Menschen. Insbesondere die Kinder waren auf der Strasse allgegenwärtig. Meist haben diese uns schon aus weiter Distanz entdeckt, sind bis zur Strasse gesprintet, nur um uns dann ganz cool entgegenzuschlendern. Sobald wir vorbei waren, riefen sie uns oft ein verlegenes bis manchmal auch freches „Give me (your/my) money!“ (nebst dem standardmässigen „Asungu“) hinterher. Es passierte auch schon mal, dass wir um Tomaten feilschten und als wir nach einer Minute aufschauten, waren ein paar Dutzend Kinder um uns geschart, still beobachtend. Eine Nacht haben wir auf dem Schulgelände einer Primarschule gezeltet. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir bereits um 5 Uhr morgens die ersten Kinderstimmen hörten (vor dem Unterricht gibt es Porridge, der Appell ist allerdings erst um 7.15 Uhr). Wir waren einmal mehr eine riesige Attraktion, jeder noch so kleiner Schritt wurde genaustens beobachtet. 


Angekommen am See haben wir einen Stopp im bekannten Cape Maclear gemacht und haben uns danach an der Küste hoch bewegt. Von Senga Bay aus sind wir mit der einzigen und nicht zu Unrecht legendären „MV Ilala“ 300 Kilometer, während 30 Stunden über den See bis nach Nkhata Bay gefahren. Doch zuerst galt es bei grossem Wellengang mit all unserem Baggage via Transportboot an Bord zu gelangen. Zum Glück haben die Träger nicht nur Frauen auf ihren Schultern, sondern auch unsere Räder transportiert. Die Ilala ist eine stimmungsvolle Fähre aus den 50ern mit drei Decks. Wir haben die Nacht auf dem obersten Deck (direkt am Fusse der Bar) verbracht. Während wir komfortabel Platz und frische Luft hatten, reisten in der zweiten Klasse auf dem untersten Deck die Malawier auf engstem Raum und mit aberhundert Kilos von lebendigen und getrockneten Fischen. Bei jedem Stopp kamen die Fischer in ihren einfachsten Einstämmer und priesen ihren frischen Fang an. Als wäre noch nicht genug Fisch an Bord haben die Passagiere weiter zugeschlagen. Insbesondere für die Likoma Insel ist die Ilala überlebensnotwendig. Ein Mal pro Woche haben sie so die Möglichkeit mit dem Festland Handel zu treiben. Auf Likoma gibt es zudem eine im Verhältnis zur Bevölkerung absolut überdimensionierte, gut erhaltene, klosterähnlich angelegte Kirche. Die Stunden auf der Ilala waren ein Highlight für uns! 


In Nkhata Bay haben wir die Vorzüge des Sees und des guten Wetters in vollen Zügen genossen. Von einem coolen Campingplatz/Backpackers aus haben wir Minikayak-Trips gemacht, sind im See geschnorchelt und haben leckeren Chambo (endemischer Fisch) gegessen. 

Von Nkhata Bay sind wir landeinwärts über unzählige Anstiege nach Mzuzu, Rumphi und Livingstonia geradelt. Die Landschaft wurde neu zusätzlich zu den Maisfeldern von Tabakplantagen geprägt. Die Tabakpflanze mit ihren riesigen Blättern leuchtet hellgrün und riecht ziemlich intensiv. Die Blätter werden getrocknet und über die Tabakbörse an die grossen Konzerne verkauft. Tabak ist eine wichtige Einnahmequelle für Malawi mit jedoch einer grossen Schattenseite für die Kleinbauern. Mehr dazu im noch immer aktuellen Podcast von 2016: 

https://m.srf.ch/sendungen/international/tabak-macht-malawi-abhaengig-und-krank


Von Livingstonia ging es über 22 Haarnadelkurven und holprigste Strassen wieder steil zum See hinunter. Danach endlich wiedermal flach bis nach Tanzania. Jipeee! 


Kaum zu glauben, dass wir nun schon über ein halbes Jahr unterwegs sind. Wir wünschen einen guten Frühlingsanfang und melden uns von Sansibar wieder! :)


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Mosambik Teil 2

Um von Tofo wieder auf die Hauptstrasse zu kommen und uns einen 100 Kilometer Umweg zu sparen, waren wir auf eine einfache Fähre zwischen Inhambane und Maxixe angewiesen. Das tief im Wasser liegende Boot wurde, typisch afrikanisch, so richtig mit Menschen, Hühnern und Waren vollgestopft und unsere Räder wurden (ohne zusätzliche Befestigung) einfach auf das Dach gehievt. In solchen Situationen kann man nur hoffen und darauf vertrauen, dass „sie schon wissen was sie tun“. Als der Wellengang dann doch relativ heftig wurde, konnte Luca seine Augen aber definitiv nicht mehr von den Einbuchtungen am Dach nehmen, in denen er unsere Räder vermutete. Aber sie haben gewusst, was sie taten (oder wir hatten grosses Glück) und nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir am anderen Ufer inkl. Räder angekommen.


Wieder auf der Strasse ging es weiter nordwärts. Wir wollten nach Pomene, ein nach unseren Quellen traumhafter Strandort, nur schwer über eine 50 Kilometer lange Tiefsandstrasse erreichbar. Mit anderen Worten: nicht radelbar :). Im grösseren Ort vor der entscheidenden Abzweigung haben wir uns bei den Locals erkundet, ob es ein Chapa (lokale Taxis) nach Pomene gibt ohne Erfolg. Zähneknirschend haben wir uns aufgemacht und uns darauf eingestellt, irgendwo am Strassenrand wild zu campieren und dann weiter nach Vilanculos zu fahren. Kaum 5 km gefahren hält ein 4x4 mit südafrikanischem Kennzeichen – das kann nur Gutes bedeuten :). Conrad wurde, als er durch das Städtchen fuhr, von den Locals extra angehalten und erfuhr von ihnen, dass zwei Radler gerne nach Pomene wollten (Conrad ist einer von zwei Weissen, die da wohnen und eine Lodge führen). Minuten später waren unsere Räder mal wieder auf einem Bucky und wir glücklich unterwegs (1.5 h für 50 km mit einem top 4x4...) in ein abgelegenes Paradies.


Wir haben vier Nächte an diesem tollen Ort verbracht. In den seichwarmen Lagunen gebadet, mit den Locals im Matsch Fussball gespielt, die schönsten Sternenhimmel gesehen, Vögelschwärme beobachtet und einen ganzen „King Makrel“ („Serra“, direkt von den Fischern am Strand erworben) verspiesen. Unbeschreiblich dieses Pomene!


Dank einer Mitfahrgelegenheit sind wir wieder zurück auf die Hauptstrasse gekommen und konnten Vilanculos in einem Tag erreichen. Vilanculos ist eine andere Perle am Indischen Ozean mit einem grossen, schönen Markt, einem lebendigen Fischerstrand mit bunten, von der See gezeichneten „Dhows“ und der Ausgangspunkt zum Bazaruto Archipel. Mit einer tanzwütenden Bootscrew sind wir einen Tag zu diesen faszinierenden Inseln gefahren, haben die riesigen Sanddünen bestiegen, das klare Wasser bewundert, mit Tintenfischen am schönsten Korallenriff geschnorchelt und diese unglaublich farbige „Wüste im Meer“ genossen. Und schon waren weitere vier Tage vergangen.


Da unser Visum nur 30 Tage gültig war und wir noch eine rechte Strecke vor uns hatten, sahen wir uns gezwungen, knapp 900 km mit dem „öffentlichen Verkehr“ zurückzulegen. Auf der vollgestopften Ladefläche eines lottrigen Kleinlasters haben wir in 15 Stunden die ersten 450 km geschafft. In Chimoio haben wir den lokalen Markt erkundet und einen Pausentag eingelegt. In einem angenehmeren Bus haben wir am Folgetag die zweite Hälfte in Angriff genommen. Wir haben in diesen Tagen einmal mehr realisiert, wie gerne wir mit dem Fahrrad unterwegs sind. Das eigene Tempo, die Unabhängigkeit bzgl. Stopps und Route, das Vermeiden von Bestechungsgeldern für die dreisten Polizisten (auf dem Velo wurden wir nie angehalten, anders auf dem Kleinlaster...), die Bewegung sowie die Möglichkeit, den Schlaglöchern auszuweichen sind nur ein paar der vielen Vorteile, die wir zu schätzen gelernt haben.


Angekommen in Tete sind wir die letzten 150 km durch das sehr anders aussehende Landesinnere von Zentralmosambik geradelt. Riesige Baobabs haben die Kokospalmen abgelöst und es wurde wieder hügeliger, ja fast bergig. Die Fruchtstände wurden durch bunte Kohlesäcke ersetzt und die Kinder kamen in Scharen von weit hergerannt, „Asungu, Asungu“ (übersetzt „Weisshaut“, wenn wir das richtig verstanden haben :)) schreiend.


Und schon waren wir in Malawi. Mosambik war ein sehr tolles, paradiesisches Land mit super freundlichen und aufgestellten (und mausarmen) Menschen. Die unbeschreiblichen Strände sowie die zuckersüssen Früchte werden uns besonders in Erinnerung bleiben.

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Mosambik Teil 1

Bom dia!


Vor drei Wochen haben wir den Grenzwächtern je 50 Dollar in die Hände gedrückt, uns knipsen lassen, Fingerabdrücke hinterlassen und zack hatten wir ein neues Visum und damit das Ticket für 30 Tage Mosambik. Bis vor wenigen Wochen wäre diese Route mit dem Fahrrad noch gar nicht möglich gewesen, da es südlich von Maputo nur üble, ausschliesslich mit 4x4 passierbare Sandstrassen gab. Neu gibt es eine perfekte, kaum befahrene Asphaltstrasse von der südafrikanischen Grenze bis nach Maputo, inkl. einer eindrücklichen Hängebrücke von Katembe in die Hauptstadt (ein „Geschenk“ Chinas).


Die ersten Tage verbrachten wir im Stranddörfchen Ponta d‘Ouro. Dank der guten Erreichbarkeit ist Ponta nun ein beliebtes Ausflugsziel für die Leute aus Maputo. Wir sind am Samstag angekommen und beim Strandspaziergang und den ersten Gesprächen mit den Locals ist uns gleich aufgefallen, dass hier vieles anders ist, und der „Spezialfall Südafrika“ hinter uns liegt: Die Badenden waren bunt durchmischt und Sicherheit sowie Hautfarbe waren kein Thema mehr. Am Strand wurde ausgelassen bis tief in die Nacht getanzt und die Fröhlichkeit war ansteckend. In den nächsten Wochen sollte das nicht anders sein.


Ponta d’Ouro ist ein Tauchparadies und speziell bekannt für den Divespot „Pinnacles“ mit seinen verschiedenen Haiarten im tiefen, blauen Ozean. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben uns mit sechs britischen Tauchveteranen und unserem Guide ins Abenteuer gestürzt. Als wir im Boot noch das Briefing bekamen, dass wir als Gruppe stets eng zusammenbleiben müssen, da insbesondere die Bullenhaie und weissen Haie gerne auch mal  schwach wirkende Einzelpersonen anknabbern, wurden wir beide definitiv ein wenig nervös. Diesen Rat haben wir natürlich sehr gut befolgt und einen unvergesslichen Tauchgang erlebt (und überlebt :)): Im tiefen Blau des Meeres ohne Referenzpunkt sind wir auf gut 30 Meter runter getaucht und haben gewartet, während unser Guide mit bunten Gummifischen und dem Knacken einer Petflasche die grossen Jäger neugierig gemacht hat. Wir mussten nicht lange warten und schon bald kamen sie daher geschwommen. Insbesondere ein grosser Bullenhai ist gefühlt die längste Zeit sehr nah um uns gekreist ein sehr intensives, adrenalingeladenes und auch schönes Erlebnis, diese ästhetischen und erhabenen Tiere aus nächster Nähe erleben zu dürfen.


Von Ponta bis nach Maputo haben wir an einem Tag 120km zurückgelegt und dabei einen Nationalpark mit Elefanten durchquert. Glückspilze wie wir sind, haben wir prompt eine kleine Familie aus nächster Nähe gekreuzt. Ohne schützendes und schnelles Auto wirken die grauen Riesen einiges bedrohlicher, vor allem wenn die grosse Elefantenkuh die Ohren wackelt und den Rüssel hebt. 

In der Hauptstadt haben wir uns über Airbnb bei einer siebenköpfigen, mosambikanischen Familie  einquartiert. Açuçena und ihre Schwester haben uns herzlich in ihrer einfachen Mittelstandswohnung empfangen. Mangels Portugiesischkenntnissen waren wir um die Übersetzungen der jüngsten Tochter sehr dankbar und konnten so etwas über den Alltag der Familie erfahren. 


Maputo ist eine sehr spannende, lebendige, betongeprägte, aber nicht hässliche Hafenstadt. Die drei Tage vergingen wie im Flug, denn zu tun und entdecken gab es Vieles: Am ersten Abend haben wir per Zufall einem selbsternannten „Propheten“ im Poloshirt und zerschlissenen Jeans vor versammelter, enthusiastischer Menge gelauscht. Joe Williams ist im Maserati angebraust und hat nicht wirklich viel Erstaunliches von sich gegeben, die Leute sind trotzdem fast ausgeflippt. Dann haben wir noch Laura getroffen. Sie hat die letzten zweieinhalb Monate in Mosambik verbracht und hat uns viele tolle Orte gezeigt. Zudem haben wir unsere ersten (unerwartet positiven) Erfahrungen mit der afrikanischen Bürokratie gemacht, als wir im Schnelltempo unsere Visas für Malawi organisiert haben. Ein weiteres Highlight war der Fischmarkt, wo wir ein Kilo Calamari und Shrimps erstanden haben und dieses für 180 Meticais (umgerechnet 3 CHF) in einem der zahlreichen Restaurants nebenan zubereiten haben lassen: unglaublich lecker!


Danach haben wir uns der einzigen asphaltierten Strasse nordwärts bewegt und dabei immer wieder Abstecher an die Strandorte gemacht. Die Landschaft war nun stark von Kokospalmen und einer unglaublichen Fruchtbarkeit geprägt. Die Strasse war gesäumt von gutbestückten Mango- und Papayabäumen. Am Strassenrand wurden zudem frisch geröstete Cashewnüsse, Ananas, Mafura und frisches Gemüse zu Spottpreisen feil geboten. Wir haben noch nie in unserem Leben so viele süsse, frische Früchte verspiesen wie in den letzten Wochen. 


In Xai-Xai haben wir nochmals Laura und ihre Freunde getroffen. Wir konnten eine Nacht bei der Tante eines mosambikanischen Freundes übernachten und haben einen sehr guten Abend verbracht. Ansonsten war Xai-Xai ein ziemlich trister Ort, was aber wohl auf einige Strandorte bei schlechtem Wetter zutrifft. Glücklicherweise war das eine Ausnahme, da der Himmel trotz Regenzeit meist strahlend blau ist. 


Auf unserer Weiterreise nordwärts haben wir weitere schöne Orte am Wasser besucht: Chidenguele, Quissico und Tofo. Besonders fasziniert hat uns in Quissico die selbstgebaute Brücke. Aufgrund eines Sturms war ein Teil zerstört und die Einheimischen haben ihre Waren und Kleinkinder wieder durch das brusttiefe Wasser transportiert. Allgemein ist es unglaublich, was alles auf den Köpfen getragen wird. 


Wir freuen uns schon auf die zweite Hälfte und ahnen bereits, dass die 30 Tage nicht annähernd ausreichen werden, um dieses spannende und vielseitige Land erkunden zu können. 





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Free State & KwaZulu Natal

Hallo allerseits


Bereits aus Mosambik berichten wir über unsere letzte Etappe in Südafrika durch die Staaten Free State und KwaZulu Natal. 


Die Weihnachtstage haben wir in gemütlicher Zweisamkeit in einem kleinen Zwergen Cottage im hübsch gelegenen Dörfchen Clarens verbracht. Die Gegend ist sehr schön und es gibt noch fast unbekannte „Watertunnels“ und riesige überhängende Höhlen. Im Vergleich zu Lesotho war es wieder sehr trocken und am 24. Dezember brannte für einmal nicht der Weihnachtsbaum, sondern der gesamte Hügel hinter Clarens. Glücklicherweise hat der Wind das Feuer weg vom Dorf geblasen.


Nach Weihnachten haben wir den kleinen, aber wunderschönen Golden Gate Nationalpark erkundet. Die goldenen Sandsteinfelsen kommen insbesondere in der Abendsonne zur Geltung –wirklich traumhaft! Entlang der Drakensberge (die wohl einige an die Schweiz erinnert haben) sind wir an verschiedenen grossen Stauseen vorbeigekommen, die zum Teil auch tolle Campingplätze hatten. Am grossen Sterkfontein Dam haben die Zebras direkt vor unserem Zelt gegrast und am Abend konnten wir ein Gewitterspektakel aus sicherer Ferne beobachten. Der Strobo wollte gar nicht mehr enden!


Allgemein waren die Campingplätze in KwaZulu Natal nicht nur schön gelegen, sondern auch sauber, günstig und voller (gast-)freundlicher Südafrikaner, die uns stets auf ein Bier oder sogar auf einen Braai (Grillade) einladen wollten. Unglaublich auch wie schnell das Buschtelefon auf dem Zeltplatz funktioniert hat: innert wenigen Minuten wusste der gesamte Zeltplatz woher wir kamen, wohin wir gingen etc. :). Wir haben in den letzten Wochen unerwartet nochmals tolle Bekanntschaften machen können, was uns unglaublich gefreut hat. 


Die Neujahresparty haben wir mit unseren letzten Warmshower Hosts im grünen Pietermaritzburg bei einem exklusiven Pianokonzert beim Starpianisten zu Hause gefeiert. Was sind wir für Glückspilze! Dank diesem gesitteten Abend sind wir frühmorgens und katerfrei ins 2019 gestartet. Durch riesige Zuckerrohr Plantagen und wilde Brombeersträuche sind wir bis ans Meer nördlich von Durban gefahren. Danach ging’s weiter nordwärts entgegen der heimkommenden Touristenströme (die grossen Sommerferien der Südafrikaner haben soeben geendet und unser Timing hat dementsprechend perfekt gepasst). Auf einen Geheimtipp hin sind wir durch ein kleines, privates Gamereserve geradelt (kostenlos) und haben dabei dutzende Giraffen, Gnus und Antilopen gesehen. Am Abend beim Campingplatz gab es noch eine Bushbaby Fütterung. Witzige kleine Viecher mit grossen Augen und einem buschigen Schwanz. 


Als wir nach Sodwana Bay nahe der mosambikanischen Grenze gefahren sind, haben wir im Rückspiegel diese schwarze Wand gesehen und konnten gerade noch rechtzeitig in einem Bushäusschen Unterschlupf finden. Sobald wir die Fahrräder parkiert hatten, begann es heftig zu blitzen, donnern und regnen. Als das Heftigste vorbei war und es schon langsam dunkel wurde, sind wir die letzten 20 km durch strömenden Regen und mehr oder weniger ferne Blitze nach Sodwana gefahren. Hungrig, durchnässt und erschöpft haben wir im erstbesten Restaurant Zuflucht und Essen gesucht. Und da war sie wieder: die unendliche, südafrikanische Gastfreundschaft. Als wir das ältere Paar am Tisch neben uns nach einem Tipp für die Unterkunft gefragt haben, sind wir kurzerhand in ihr Ferienhaus eingeladen worden. Ohne, dass sie uns gekannt hätten, hiess es, wir können solange bleiben, wie wir wollten. Es wurden vier wunderbare Tage inklusive drei tollen Tauchgängen an den belebten Riffen, GT Sundowners mit Aussicht, leckere Braais, einer bunten Vogelvielfalt und einer diebischen Affenbande vor dem Haus (sie haben unsere letzte Mango aus der Küche geklaut und diese frech und genüsslich vor unseren Augen verspiesen). 


Das würdige Finale haben wir in Kosi Bay genossen. Im 28 grädigen Wasser sind wir geschnorchelt, auf dem Boot unserer Campingnachbarn haben wir den Sonnenuntergang genossen und von den besten Aussichtspunkten konnten wir die Reusenbaukunst der Einheimischen bestaunen. Ein absoluter Geheimtipp dieses Kosi Bay!


Nach fast drei Monaten und 3000 km im Sattel haben wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge problemlos die Grenze nach Mosambik überquert. Wir haben so viele, tolle Menschen getroffen und viel vom Land gesehen. Gleichzeitig wissen wir jetzt schon von einem guten Dutzend Orte, die wir unbedingt noch entdecken wollen und haben Einladungen von neuen Freunden, die wir besuchen möchten. Uns wird es demnach sicher wieder eines Tages nach Südafrika ziehen, aber jetzt freuen wir uns auf das nächste Abenteuer in einem uns noch fremden Land. 


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This one goes out to all the South Africans who made our almost 3 months in this beautiful country such an amazing experience. Your generosity and hospitality really blew our mind! Special thanks to all the lovely people who have hosted us: Justin & family, Emmerentia & Ryan, Christa, Gerrit & Annelie, Geert & Mary, Jenny & Johnny, Billy & Carol, Graeme & Liesel, the Marais family, Bruce & Jules and the whole Winterberg community, Peter & Diane, Ed & Kim and family, Dave, Grant, Charles & Leslie, John & Sandy and all the other great people who have invited us to cold beers, shared their braai with us etc. etc. THANK YOU SO MUCH, cheers from mozambique!!!

Salaam!


Mit nur wenigen Flugstunden haben wir eine Zeitreise ins Jahr 1398 gemacht (die Zeitrechnung ist nur eine von vielen Eigenheiten des Irans). Den Iran kennt man im Westen vor allem im Zusammenhang mit Themen wie Atomwaffenprogramm, westlichen Sanktionen, islamischer Staat und Kopftuchpflicht für Frauen. Dank früheren Bekanntschaften und Reiseberichten von Freundinnen und Freunden haben wir aber auch von der immensen Gastfreundschaft der IranerInnen und der reichen, persischen Kultur und Geschichte erfahren. Kurzum wir waren mächtig gespannt auf dieses grosse Land im mittleren Osten. 


Angekommen am Flughafen in Teheran haben wir mit Freude festgestellt, dass unsere selbstgebastelten Fahrradboxen aus Afrika bereits auf uns warten. Schon beim Zusammenbauen der Fahrräder haben wir einen Vorgeschmack auf die Neugierde und Gastfreundschaft der Iraner bekommen. Ständig kamen Leute vorbei und fragten, ob sie uns helfen können, von wo wir kommen und wie Luca heisst (die Konversation im öffentlichen Raum findet grössenteils von Mann zu Mann statt). Beim Geldwechseln (aufgrund der Sanktionen muss man das gesamte Reisebudget in Euros/Dollars mitnehmen, da mit internationalen Karten wie Master oder Visa weder Geld abgehoben, noch bezahlt werden kann) haben wir erfreut festgestellt, dass wir für einen Dollar 130’000 Rial erhalten. Der offizielle Kurs ist rund 1:40’000. Der Rial hat innerhalb eines Jahres aufgrund der neuen Sanktionen durch die Trump-Regierung heftig an Wert verloren – sehr tragisch für die Iraner, Glück für uns als Reisende. 


Kurz nach Sonnenaufgang haben wir die ersten Kilometer auf dem neuen Kontinent zurückgelegt und dabei das angenehm kühle und trockene Klima geschätzt und die schneebedeckten Berge bewundert. Es hat sich angefühlt, als wären wir auf einen neuen Planeten katapultiert worden. Kein Wunder, wenn man nach fünf Monaten mit durchschnittlichem Tempo von ca. 15 km/h, plötzlich innert wenigen Stunden mehrere tausend Kilometer zurückzulegt. Auch die für uns nicht lesbaren Schriftzeichen und Ziffern haben zu diesem Gefühl beigetragen. Ein weiterer, harter Kontrast war der heavy Verkehr. Der Iran ist stark motorisiert (Autofahren ist erschwinglich dank Eigenproduktionsstätten und viel Erdöl, ein Liter Benzin kostet derzeit gerade mal 8 Rappen) und dessen BewohnerInnen sind nicht bekannt für ihr rücksichtsvolles und regelnbefolgendes Fahrverhalten: auf der Autobahn rückwärts zu fahren, um die Ausfahrt doch noch zu erwischen, rechts zu überholen und nicht ein einziges Mal zu blinken – alles völlig normal hier. Der vorauseilende Ruf des „dynamischen“ Verkehrs war mitunter ein Grund, Teheran links liegen zu lassen und gleich südwärts zu fahren. 


Unser erster Warmshower-Host Hosein und seine Familie haben uns mit einem typisch iranischen Frühstück (Fladenbrot, Frischkäse, Spiegelei und Schwarztee mit gaanz viel Zucker in allen Farben und Formen) in seinem Strassenimbiss herzlich empfangen. Hier haben wir zum ersten Mal erlebt, was uns in den nächsten Tagen noch so oft wiederfahren wird: eine unglaubliche, bedingungslose Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Oft interagieren wir ohne oder nur mit wenigen Worten, da das Englischniveau meist sehr bescheiden und unser Farsi noch sehr beschränkt ist. Mit ihrer offenen und fröhlichen Art gelingt es den Iranern im Nu, eine lockere und persönliche Atmosphäre zu schaffen. Auf diese Weise erhalten wir einen tiefen Einblick in den iranischen Alltag, der sich zu einem grossen Teil im privaten Raum abspielt. 


Nach diesem wunderbaren Auftakt haben wir uns durch die karge Wüstenlandschaft nach Ghom aufgemacht. Auf dem Weg werden wir immer wieder zu Tee oder Wassermelonen eingeladen oder aus dem fahrenden Auto ausgefragt und/oder mit „Welcome to Iran“ begrüsst. Im Vergleich zu Afrika ist der Iran relativ dünn besiedelt und so zelten wir oft wenige hundert Meter von der Hauptstrasse entfernt. Allgemein ist der Iran ein sehr campingfreundliches Land, so dass sogar das Zelten in vielen öffentlichen Pärken erlaubt ist. In Ghom, der Mullah-Hochburg des Irans, erleben wir ein weiteres sehr charakteristisches Beispiel iranischer Gastfreundschaft: Am Stadtrand machen wir einen Stopp und schreiben Javad über das Portal Couchsurfing an und fragen ihn, ob er sehr spontan Zeit hat uns für eine Nacht zu beherbergen. Wenige Minuten später ruft er uns an, um mitzuteilen, dass er heute Abend mit seinem Kollegen Saed in den Irak reist, wir aber in dessen Wohnung bleiben können solange wir wollen und er einen weiteren Kollegen, MJ, organisiert, der uns liebend gerne seine Heimatstadt zeigen möchte. Eine Stunde später sitzen wir mit den Dreien bei Chai und feinsten Datteln im hochpolierten Wohnzimmer. So sind die Iraner!


Nur indem wir vehement darauf beharren, werden wir am nächsten Morgen nach einem tollen Abend entlassen. Bis spätnachts waren wir mit MJ unterwegs, haben den Blumenladen von seinem Kollegen gehütet, wurden seinen Freunden in einer modernen Mall „gezeigt“ und haben dabei im Foodcourt zahlreiche Selfies gemacht (Selfies und Instagram sind ohnehin ganz gross hier), haben den heiligen Schrein besucht (Hannah zwangsweise mit Tschador) und sind mit Kebab, Safraneis und Malzbier (ohne Alkohol, dieser ist hier leider strengstens verboten) im Bauch durch die Stadt gerast.


Auf dem Weg von Ghom nach Kashan gab es nicht viel, ausser schöne Felsformationen, weitreichende Ebenen und ab und zu eine Verpflegungsmöglichkeit, z.B. eine Metzgerei, wo Hannah ihr Spiegelei gleich selbst zubereiten musste. Kashan ist eine alte Kaufmannsstadt mit einem wunderschönen, alten Bazar und riesigen, prunk- aber geschmackvollen Herrschaftshäusern von wohlhabenden Teppichhändlern. Man kann sich die Blütezeit des Handels auf der Seidenstrasse förmlich vorstellen. Gewohnt haben wir in Kashan bei einer netten Familie, die uns mit leckerem Essen verwöhnt hatte (Auberginenmousse, frische Kräuter und zum Frühstück hausgemachte Karottenkonfitüre). Gegessen wird traditionellerweise auf dem Teppich am Boden (geschlafen übrigens auch).


Die 220 Kilometer von Kashan nach Isfahan wollten wir in drei gemütlichen Tagen zurücklegen. Am zweiten Tag hat uns ein so noch nie erlebter Gegenwindorkansturmsauhund das Leben so schwer gemacht, dass wir nach dreissig unglaublich anstrengenden Kilometern das Angebot zum Chai eines besonders hartnäckigen und liebenswürdigen Mannes nicht mehr ablehnten. Bei ihm zu Hause wurden wir verköstigt und konnten uns sogar kurz hinlegen. Das Angebot, die Nacht zu bleiben mussten wir jedoch ablehnen, da wir noch eine grosse Strecke vor uns hatten. Aber kaum waren wir wieder auf der Strasse war unser Wille bald gebrochen und wir haben den ersten Laster angehalten. Hosein (ja, auch Hosein), ein studierter Geograf und heute langjähriger Transporteur von Milchprodukten hat uns ohne zu zögern auf- und natürlich auch gleich für die Nacht zu sich nach Hause eingeladen. Zum grossen Anlass kam die ganze Familie und die halbe Nachbarschaft vorbei und dank Google Translate konnten wir uns unsere gegenseitigen Fragen stellen und beantworten (wie z.B. „was ist eure Religion?“, „was haltet ihr vom Iran?“, „was arbeitet ihr?“ etc.). Trotz unserer sichtbaren Müdigkeit harrten wir aus, bis auch die letzte Tochter zum Selfie vorbeigekommen ist und fielen danach todmüde auf unseren Teppich. Der Rythmus ist allgemein ein ganz Anderer als in Afrika: Während in Afrika mit dem Sonnenuntergang auch der Tag zu Ende ging, fängt das Leben auf der Strasse und in den eigenen vier Wänden im Iran am Abend erst richtig an. Gegessen wird meist erst gegen 10, 11 Uhr, auch unter der Woche.


Die ersten Tage im Iran waren von unfassbarer Gastfreundschaft geprägt. In den nächsten zweieinhalb Wochen werden wir noch mehr Herzlichkeit erfahren und mit unseren beiden Müttern (und ohne Räder) eine unvergessliche Rundreise zu den Perlen des Irans machen. Dazu bald mehr.